Zyklus ‚Opfer (Broken Heads)‘

Diese Werkreihe mit den Untersequenzen ‚Kopf‘, ‚Helm‘, Opfer‘ und ‚Tod‘ entsteht seit 2020 und reflektiert Grenzbereiche der menschlichen Existenz zwischen physischer und psychischer Gewalt. Die offenporige, von vulkanischen Gaseinschlüssen verursachte Struktur italienischen Tuffsteins war Anregung und Anlass für die Umsetzung expressiver Köpfe, die mich an den Todeskampf von Menschen, die vor 2000 Jahren vom Ascheregen des Vesuvs überrascht und verschüttet wurden, denken ließ.

Frank Duwe schreibt hierzu:
„(…)Die Form kann aber auch implodieren, als absolute Masse komprimiert auf sich selbst bezogen bleiben, mit klaren Trennlinien zum Umgebungsraum. Henning Bock verwendet in einigen Fällen Tuffstein, in dem sich – quasi auf eine natürliche geologische Weise – größere oder kleinere Blasen gebildet haben. Das Material als solches thematisiert auf natürlichem Wege das immer schon bei plastischen Künstlern wichtige Thema des Verhältnisses von Masse, Material und Raum. Die kopfähnlichen Gebilde, die Henning Bock aus diesem Material formt, nehmen – mal konkreter, mal diffuser – eine Idee Brancusis auf, der seine „Köpfe“ als plastische Objekte in einem von allen Konventionen losgelösten Bezugssystem ohne Fixierung und ohne Sockel sieht, die sogar in ihrem Standort variabel sind. Bei Brancusi „implodiert“ die Masse; es gibt keinen aktiven Raumbezug außer dem, dass das künstlerische Objekt einfach „da ist“. Die Grenzen zwischen plastischem Körper und Umgebungsraum sind hermetisch gegeneinander abgegrenzt. Bei Henning Bock wird diese Thematik auf eine faszinierende Art modifiziert. Die Grenzen zwischen plastischer Form und Raum wird durch das natürliche Material des Tuffsteins aufgebrochen. Die natürlich vorgefundenen Höhlungen werden durch ihre Materialqualität zu einer künstlerischen Aussage erweitert.“
(Frank Duwe in: Henning Bock, Biomorphe Bildwelten, Bielefeld 2022, S.9)

In der Folge entwickelte ich weitere Facetten des Themenfeldes mit den Mitteln der Tuschelavierung und in Mischtechnik. Der kriegerische Angriff der russischen Armee auf die Ukraine mit den unzähligen Opfern fiel zufällig in diesen Werkprozess, welcher davon sicherlich nicht unbeeinflusst blieb, aber keineswegs ursächlich für dessen Entwicklung war.